Was ist Trial?

Der Begriff Trial stammt aus England, wo schon seit Beginn der 1910er Jahre Motorradfahrer versuchten, mit den zu dieser Zeit hergestellten Motorrädern unwegsames Gelände zu durchqueren oder Streckenabschnitte mit möglichst wenig Motorraddefekte zu bewältigen.

 

Bald entstanden den Geländeschwierigkeiten besser angepasste und zuverlässige Motorräder, die Fahrtechniken verfeinerten sich im Lauf der Entwicklung, und Trialfahrer wurden Meister der Balance und des Stils, womit sich diese Motorsportart zur hohen Schule des Motorsports auf zwei Rädern entwickelte.

 

Der Trialfahrer fährt meist langsam, manövriert Vorder- und Hinterrad zentimetergenau, hebt mit einem Gasstoß das Vorderrad gekonnt eine Stufe herauf und überspringt Hindernisse, immer im Bestreben, die Sektion fehlerfrei zu absolvieren. 

 

Für den Fahrer ist ein gewisses Trainingspensum unerlässlich, zu dem nicht nur das Fahren mit dem Motorrad gehört: Ausdauer, Balance, Koordination, Schnellkraft und Konzentrationsfähigkeit bedürfen der dauernden Übung.

 

Regeln im nationalen Trialsport (Grundzüge)

Höchstgeschwindigkeit ist bei uns Trialern ein Fremdwort, bewertet wird über Strafpunkte. Es gewinnt der Trailer mit den wenigsten Strafpunkten. Die Freude über eine "0" ist entsprechend groß.
Dazu Befahren die Wettkampfteilnehmer einzeln Sektionen, in welchen Fahrspuren verschiedener Schwierigkeitsklassen vorgegeben sind. Gefahren werden 2 - 4 Runden mit Gesamt 21 - 36 Sektionen (z.B. 3 Runden a 7 Sektionen).
Eine Sektion hat ein Einfahrt- und ein Ausfahrtstor, gekennzeichnet mit A = Anfang und E= Ende und ist mit einem Begrenzungsband umfasst.
Die Sektionen dürfen vor und während des Wettbewerbs vom Fahrer nur besichtigt werden. Eine Hilfestellung als "Fänger" durch einen fremden Fahrer oder durch eine Person muss mit dem Punkterichter abgesprochen werden.

 

Sektionswertung:

Dazu ein paar wichtige Bewertungsregeln für Zuschauer und Interessierte zur Strafpunktvergabe

  1. Der Kontakt von Fuß mit dem Boden oder Anlehnen mit dem Körper an Hindernissen zählt als 1 Strafpunkt. Ab 3 Kontakten wird nicht weiter gezählt und man kann theoretisch sitzend durchpaddeln.
  2. Darüber zählt nur noch das "Versagensprinzip" mit 5 Strafpunkten.
    • Dazu zählt Sturz (z.B. Lenkerkontakt mit dem Boden, beide Beine am Boden hinter der
    • Fahrzeugachse oder seitlich des Motorrades)
    • Motor aus mit Bodenkontakt und zeitgleichen Stillstand
    • Falsche Fahrspur, also Klassenfremde Spur, auch wenn es schwierigere ist
    • Das komplette Überfahren der eigenen Fahrspur (z.B. in einer Schleife)
    • Rückwärtsrollen oder Rückwärtsbewegung.
    • Sektionsbeschädigungen, Überfahren von Fahrpfeilen, Abreißen von Bändern
    • Motorrad oder Fahrer wird durch einen "Fänger" berührt
  3. Unsportliches Verhalten, Beleidigen des Punkterichters oder Auslassen von Sektionen führt zum Ausschluss oder zu Zusatzpunkten

Leistungsklassen:

Trialsport unterscheidet sich von den meisten anderen Sportarten in der Einteilung von Leistungsklassen. Die Einteilung der Klassen und die Zuordnung der Farben für die Fahrspuren unterscheidet sich regional etwas. Nachfolgendes Beispiel aus dem regionalen südbayrischen Trial-Alpenpokal. Die Schwierigkeitsklassen sind aufsteigend, die Klasse 1 ist die schwierigste Fahrspur (Niveau Deutsche Meisterschaft) und die Klasse 6 die einfachste (Einsteiger).

 

 Klasse 1

 „Elite“

gelbe Pfeile / Nummernschild gelb / Startnummer schwarz (1 - 99)

Leistungsstand Deutsche Trial-Meisterschaft

Stufen bis 2m, auf dem Hinterrad springen unumgänglich, beim Einparken darf keine Zeit für Korrekturhüpfer verschwendet werden, höher, steiler, enger als K2


 Klasse 2

 „Experten“

weiße Pfeile / Nummernschild weiß / Startnummer schwarz (200 - 299)

Leistungsstand Deutscher Trial-Cup, Regionale Meisterschaften

Stufen bis 1,5m, Anspringen und Einparken unumgänglich, höher, steiler, enger als K3


 Klasse 3

 „Spezialisten“

blaue Pfeile / Nummernschild blau / Startnummer weiß (300 - 399)

Leistungsstand Deutscher Trial-Pokal

Steinstufen über einen Meter, Abstände der Hindernisse deutlich kürzer als bei Klasse 4, Versetzen wird unabdinglich, Anspringen sehr vorteilhaft (aber noch nicht zwingend wie bei K2)


 Klasse 4

 „Fortgeschrittene“

grüne Pfeile / Nummernschild grün / Startnummer weiß (400 - 499)

Leistungsstand Deutscher Trial-Senioren-Pokal

höhere Hindernisse (bis ca. 1m) und kürzere Abstände, steilere Auf- und Abfahrten und deutlich engere Kurven als bei Klasse 5, Vorderrad-Lupfen wird unabdinglich, Versetzen sehr vorteilhaft (aber noch nicht zwingend wie bei K3)


 Klasse 8

 „Senioren“

 (ab 40)

Zeichen am A-Schild (schwarze od. grüne Pfeile) / Nummernschild grün / Startnummer schwarz (800 - 899)

Besonderheit in Südbayern (Trial-Alpenpokal)

Hälfte der Sektionen schwarze Spur (K 5), andere Hälfte grün (K4)


 Klasse 5

 „Anfänger“

schwarze Pfeile / Nummernschild schwarz / Startnummer weiß (500 - 599)

Leistungsstand Deutscher Open-Trial-Pokal

Geübte und erfahrenere Neulinge, engere Kurven, steilere Auf- und Abfahrten, Hindernisse bis ca. 50 cm


 Klasse 6

 „Neulinge“

rote Pfeile / Nummernschild rot / Startnummer weiß (600 - 699)

Einsteiger und Kinder ab 6 Jahren, Jeder, der Motorrad fahren kann

Großzügige Kehren, kaum Hindernisse (max. 20 cm), ungefährliche Auf- und Abfahrten


 Klasse A

 „Automatik“

rote Pfeile, eigene Sektionen oder freie Spurwahl von A-E / Nummernschild rot / Startnummer schwarz (700 - 799)

Kleinkinder Einsteiger

Kleinkinder können gefahrlos und hindernisfrei von Anfang bis Ende die Sektionen durchfahren

 

Viel Spaß beim Zuschauen und Mitfiebern bei diesem tollen Motorsport.